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Grills als Kultobjekte

April 15th, 2009 · No Comments

Aus einem einst normalen Kochgerät oder vielmehr aus mit der ersten Art des Erwärmens von Speisen, die unsere steinzeitlichen Vorfahren mit Hilfe eines Feuers und eines darüber gehaltenen Stocks, an dem die erlegte und ausgenommene Jagdbeute aufgespießt war, betätigten, ist mittlerweile eine Freizeitbeschäftigung, teilweise eine Art Kult oder Sport entstanden, das in vielen Ländern der Erde, nicht nur in Deutschland von vielen Menschen auf besondere Art und Weise zelebriert wird. Und aus dieser schlichten Urform ist mittlerweile eine Unzahl an verschiedensten Grills entstanden, die auf dutzende verschiedene Arten betrieben werden, sei es durch Holzkohle, durch Gas, durch elektrischen Strom, durch einen gewöhnlichen Ofen oder wie in alten Zeiten durch ein normales Feuer.

So gibt es in Deutschland eine Vielzahl an Vereinen deren reiner Zweck das gemeinschaftliche Grillen der Clubmitglieder ist. Für die Männer und Frauen, die Mitglieder dieser Vereine sind, existieren quasi keine Jahreszeiten. Sie treffen sich auch im tiefsten Winter bei Schnee, Eis und Kälte mit ihren Grills, um ihrer großen Leidenschaft zu frönen. Dabei geht es dann nicht mehr um den gleichen Rahmen wie bei einer freundschaftlichen Zusammenkunft an einem schönen, warmen Sommernachmittag am Wochenende also um das gesellige Zusammensein bei gutem Essen, sondern um einen regelrechten Wettstreit.

Die Grillvereine in Deutschland versammeln sich seit einigen Jahren sogar mit ihren Grills und tragen richtige Wettbewerbe und Meisterschaften aus, die ihrerseits noch einmal in verschiedene Kategorien unterteilt sind. So geht es natürlich einmal nur um die schnelle und richtige Zubereitung eines idealen Steaks oder Variationen davon, in anderen Kategorien wieder um die gelungenste Gewürzmischung mit der ein gewisses Grillgut verfeinert wurde, die passenden gegrillten Beilagen wie Folienkartoffeln oder gegrillte Pommes Frites werden ebenso prämiert, wie das beste Gesamtpaket mit Vor-, Haupt- und Nachspeise oder die kreativste, mit dem Grill zubereitete Speise. Natürlich sind diese Turniere nicht mit Profisportveranstaltungen zu vergleichen, doch die Teilnehmer gehen mit demselben Eifer ihrem Hobby oder ihrer Leidenschaft nach, wie andere Amateursportler.

In den Vereinigten Staaten von Amerika kommt den Grills oftmals schon fast der Charakter eines Kultobjektes zu. Hierzulande wird der amerikanische Begriff des „Barbecue“ oftmals synonym mit einer hierzulande üblichen Grillfeier verwendet, obwohl es schon hinsichtlich der Technik einen beträchtlichen Unterschied gibt und im Amerikanischen Englisch durchaus auch ein eigenes Wort für das Grillen existiert. Die größte Verbreitung hat das Barbecue in den Südstaaten der USA gefunden, wo das Barbecue nicht nur elementar zur Esskultur gehört sondern auch mit der regionalen Identität verbunden ist.

Der tatsächliche Unterschied zwischen Barbecue und Grillen besteht darin, dass das Grillen von Fleisch oder sonstigem Grillgut direkt über der Glut des Grills stattfindet. Die Zubereitung der im Fall des Grillens kleineren Fleischstücke erfolgt bei wesentlich heißeren Temperaturen und dauert in der Regel höchstens eine halbe Stunde. Bei einem Barbecue dagegen wird das Grillgut weiter von der Glut entfernt durch den heißen Rauch gegart, was im Vergleich zum Grillen bei niedrigerer Temperatur erfolgt. Außerdem sind die Fleischstücke eines echten Barbecue um ein Mehrfaches größer, beispielsweise Rinderhälften oder ganze Schweine, so dass die Zubereitung durchaus mehrere Stunden dauern kann.

Gerade für die Küche der Südstaaten der USA ist Barbecue ein integraler Bestandteil für die gesamte damit verbundene Region und doch auch wieder mit einer starken Bindung an die eigene Gemeinde verbunden, so dass innerhalb zweier verschiedener Südstaat, beispielsweise Georgia und Alabama bereits größere Unterschiede vorherrschen können, sei es in den verwendeten Grills, die oftmals im Eigenbau zumindest aufgemotzt worden, aber auch in der Handhabung des Grills und der Zubereitung der Speisen. Soziologen haben in den vergangenen Jahrzehnten schon mehrfach herausgestellt, dass man ohne Verständnis der Bedeutung des Barbecues keine Vorstellung von den Südstaaten, ihren Bewohnern und ihren Eigenheiten bekommen kann.